Mauergedenken

Am 13. August 2009 wurden neue Gedenk­orte für vier junge Mauer­tote der Öffentlichkeit vorgestellt. Vor Ort soll dem Betrachter die Möglichkeit gegeben werden, sich mit dem schwierigen Spannungs­feld der deutschen Geschichte auseinander­zu­setzen, um es für sich zu bewerten.

In einer kleinen Nische zum Gedenken an die Mauer­opfer befinden sich auf unserem Gelände originale Mauer­stücke und Zaun­teile sowie ein sogenannter "Stalinrasen".

Abriegelung der Grenze und Bau der Mauer

Der Bahndamm der heutigen S1 im Jahre 1963 Erneuerung der Grenzzäune im Jahre 1963 Wie die inner­deutsche Grenze, so wurde auch der Grenz­abschnitt zwischen Hohen Neuendorf und Berlin-Frohnau als Teil der Außen­grenze bereits im Jahre 1952 geschlossen und mit Zäunen gesichert.

In der Nacht zum 13. August 1961 begannen Nationale Volks­armee und Volks­polizei der DDR die letzten noch be­stehen­den Verkehrs­verbindungen zu unter­brechen. Vieler­orts wurden zunächst Zäune errichtet oder Haus­eingänge und Fenster zugemauert. In den folgenden Monaten und Jahren wurde der Grenz­streifen mit Mauern, Beobachtungs­türmen, Kontakt- und Signal­zäunen, Licht­trasse und Kolonnen­weg zu tief gestaffelten Sperr­anlagen ausgebaut.

Todesopfer an der Berliner Mauer

Nach Recherchen der Stiftung Berliner Mauer und des Zentrums für zeit­historische Forschung Potsdam kamen an der Berliner Mauer mindestens 136 Menschen zu Tode. Die meisten von ihnen waren DDR-Flücht­linge, die beim Versuch, über die Sperr­anlagen nach West-Berlin zu gelangen, erschossen wurden, verunglückten oder sich das Leben nahmen.

Im Grenz­abschnitt um den Naturschutz­turm, zwischen der Flora­straße in Hohen Neuendorf und dem Hertha­moor im Orts­teil Bergfelde, sind in den Jahren 1964 bis 1980 vier junge Menschen bei Flucht­ver­suchen getötet worden:

Gedenken an die Maueropfer am Naturschutzturm

Im früheren Grenz­streifen sind die Zeugnisse der deutschen Teilung auch heute noch all­gegenwärtig. Oft versuchen die Wald­jugend­lichen sich vorzustellen, wie es wohl war, hinter der Mauer zu leben. Wären sie auch auf die Idee gekommen zu flüchten?

Im Rahmen des Jugend­projektes Zeitensprünge erforschten sie im Jahr 2006, fast zwei Jahrzehnte nach dem Mauer­fall, die näheren Umstände der Flucht von Marienetta Jirkowsky und ihren beiden Freunden Peter Wiesner und Falko Vogt. Für die damals 18-Jährige endete der Flucht­versuch am 22. November 1980 in der Hohen Neuendorfer Flora­straße tödlich. In Zeitungs­archiven und in den Akten zum Mauer­schützen­prozess wurden die Jugend­lichen fündig. Sie sprachen auch mit Zeit­zeugen und mit Falko Vogt. Daraus entstand auch die Arbeit von Giordana Dunkhorst mit dem Titel "Hoher Preis für coole Kla­motten. Jugend­liche 'Aus­steiger' in der DDR um 1980", die ein Jahr später im Rahmen des Geschichts­wett­bewerbs des Bundes­präsidenten ausgezeichnet wurde.

Ende 2006 wurde in der Nähe des damaligen Flucht­ortes in der Hohen Neuendorfer Flora­straße, nur wenige hundert Meter vom ehemaligen Grenz­turm Bergfelde entfernt, eine Gedenk­stele für Marienetta Jirkowsky errichtet. Die Umsetzung erfolgte, in Ergänzung zum ursprünglichen Konzept des Berliner Mauerwegs, auf Initiative der Deutschen Wald­jugend. Seit 2008 findet dort in jedem Jahr die Gedenk­ver­anstaltung der Stadt Hohen Neuendorf zum Tag des Mauer­baus statt. An das Schick­sal der jungen Frau er­innert heute außer­dem eine Erle, die am 22. November 2005 zu ihrem 25. Todestag am Natur­schutz­turm ge­pflanzt wurde.

Zum 13. August 2009 wurde am früheren Grenz­turm eine Gedenk­nische für alle vier jungen Mauer­toten ein­gerichtet, die da­mals ihr Grundrecht auf Frei­zügig­keit für sich in Anspruch nehmen wollten. Hier befinden sich originale Mauer­stücke und Zaun­teile, ein sogenannter "Stalinrasen" (eine Stahl­nagel­matte) sowie andere Relikte aus dem dunklen Kapitel der deutsch-deutschen Geschichte. Kurz­biografien informieren über die Schicksale der jungen Mauer­opfer, die auch im Buch "Die Todes­opfer an der Berliner Mauer" von Hans-Hermann Hertle und Maria Nooke (ISBN 3-86153-517-3) doku­mentiert sind.

Für die drei jungen Männer wurden zusätzlich an den Orten ihres Todes Pfähle der Grenz­zäune senk­recht aufgestellt. An jedem Pfahl ist eine Info­tafel über das Leben und den ver­geblichen Flucht­versuch sowie eine DDR-Grenzgebiets­karte mit der Lage der Flucht­versuche an­gebracht. Jeweils vor Ort soll dem Be­trachter die Möglich­keit gegeben werden, sich mit diesem schwierigen Spannungs­feld der deutschen Geschichte auseinander­zu­setzen, um es für sich zu be­werten.

Nach einer in einzelnen Fraktionen unwürdig ver­laufenden Diskussion hat die Stadt­verordneten­versammlung Hohen Neuendorf im März 2010 gegen den aus­drücklichen Willen der Angehörigen von Marienetta Jirkowsky be­schlossen, einen Kreis­verkehr nach der jungen Frau zu be­nennen, nur 200 Meter vom damaligen Flucht­ort und der heutigen Gedenk­stele ent­fernt. Die Angehörigen hatten sich statt­dessen einen "Platz der Frei­heit" oder eine "Straße zur Frei­heit" zur Er­innerung an alle Mauer­opfer ge­wünscht.

Randnotiz: Die falsche Schreib­weise des Namens ("Marinetta Jirkowski") unter anderem auf einem der 14 weißen Kreuze am Reichs­tag­ufer in Berlin, die eben­falls an die Todes­opfer an der Berliner Mauer erinnern, hat in der Öffent­lich­keit zu einiger Ver­wirrung geführt. Durch sein persönliches Engagement hat unser Vor­stands­mit­glied Marian Przybilla erreicht, dass der Name von Marienetta Jirkowsky in den meisten Ver­öffentlichungen nun richtig geschrieben wird.

Grüne Mauer auf dem ehemaligen Grenzsteifen

Link: Baumpatenliste zum Tag des Baumes 2009 Am Tag des Baumes am 25. April 2009 wurde auf dem ehemaligen Grenz­streifen eine "grüne Mauer" aus 65 Berg­ahornen ge­pflanzt. Die Baum­kette soll zwanzig Jahre nach dem Mauer­fall künftige Generationen an die deutsche Teilung er­innern. Der Berg­ahorn ist Baum des Jahres 2009. Die Paten­schaft für die jungen Bäume über­nahmen unter anderem Familien mit Kindern, Schul­klassen, Vertreter von demo­kratischen Parteien, von Vereinen und Firmen aus Hohen Neuendorf, Berlin und sogar aus Groß­britannien.

Die Brocken-Erklärung

Das Geschichts­projekt der Verkehrs­minister­konferenz, die so genannte Brocken-Erklärung, soll die Er­innerung an die inner­deutsche Grenze und ihre Über­windung lebendig halten und erlebbar weiter tragen.

Am 18. April 2007 haben der Bundes­verkehrs­minister und alle für den Verkehr zu­ständigen Senatoren und Minister der Bundes­länder, die durch die ehemalige Grenze ge­trennt waren, auf dem Brocken im Harz eine ge­meinsame Absichts­erklärung unter­zeichnet, um einen eigenen Beitrag gegen das ge­schicht­liche Vergessen zu leisten. An allen be­deutenden Straßen, die die ehemalige inner­deutsche Grenze kreuzen, wurden zum 20. Jahrestag der Grenz­öffnung Gedenk­tafeln auf­gestellt, die an das Ereignis erinnern.

Als Umsetzung der Brocken-Erklärung wurden zwischen den Ländern Brandenburg und Berlin acht Gedenk­tafeln am ehemaligen Grenz­verlauf auf­gestellt, die an Datum und Uhr­zeit der Grenz­öffnung erinnern. Die B96 zwischen Hohen Neuendorf und Berlin-Frohnau wurde am 17. Februar 1990 geöffnet. Die große Tafel in Hohen Neuendorf wurde 20 Jahre nach dem Mauerfall am 9. November 2009 im Rahmen einer Feier durch den Bürger­meister enthüllt.

© Fotos: Bodo Kaminski - mit freundlicher Genehmigung, Karte: Google Maps™

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